Anpassung des SAP Standards durch Customizing

Customizing bezeichnet die Konfiguration und Anpassung von SAP-Standardfunktionen an die individuellen Anforderungen eines Unternehmens – ohne den SAP-Quellcode zu verändern. Unternehmen nutzen Customizing, um Geschäftsprozesse, Organisationsstrukturen, Stammdatenlogiken und Systemverhalten an ihre betrieblichen Abläufe anzupassen. Es gehört zu den zentralen Aufgaben bei der Einführung und Weiterentwicklung von SAP-Systemen.

Durch Customizing können Unternehmen den Funktionsumfang von SAP-Lösungen optimal nutzen und gleichzeitig branchenspezifische sowie unternehmensspezifische Anforderungen abbilden. Die Einstellungen werden in der Regel über den SAP Implementation Guide (IMG) vorgenommen und in eigenen Customizing-Tabellen gespeichert.
 

SAP-Standard an Unternehmensprozesse anpassen

Jedes Unternehmen verfügt über individuelle Prozesse, Organisationsstrukturen und Anforderungen. Das SAP-System wird deshalb im Rahmen des Customizings so konfiguriert, dass es die gewünschten Geschäftsabläufe unterstützt.

Beispiele hierfür sind die Definition von Buchungskreisen, Werken, Lagern, Kostenstellen, Freigabeverfahren, Materialarten oder Dokumenttypen. Unternehmen schaffen dadurch eine Systemlandschaft, die ihre betrieblichen Anforderungen optimal abbildet.
 

Organisationsstrukturen gezielt definieren

Ein wesentlicher Bestandteil des Customizings ist die Einrichtung der Organisationsstruktur innerhalb des SAP-Systems. Dabei werden beispielsweise Mandanten, Buchungskreise, Werke, Einkaufsorganisationen, Vertriebsorganisationen oder Lagerorte angelegt und miteinander verknüpft.

Diese Struktur bildet die Grundlage für sämtliche Geschäftsprozesse und sorgt dafür, dass Daten und Transaktionen korrekt verarbeitet werden können.
 

Geschäftsprozesse flexibel konfigurieren

Customizing ermöglicht die Anpassung zahlreicher Geschäftsprozesse innerhalb von SAP. Unternehmen definieren beispielsweise:

  • Freigabeverfahren
  • Preisfindungslogiken
  • Kontierungsregeln
  • Workflow-Abläufe
  • Materialarten
  • Stücklistenparameter
  • Produktionssteuerungsdaten
  • Qualitätsprüfverfahren

Durch diese Einstellungen entsteht ein SAP-System, das optimal auf die jeweiligen Geschäftsanforderungen abgestimmt ist.
 

SAP-Implementierungen erfolgreich umsetzen

Während einer SAP-Einführung gehört das Customizing zu den wichtigsten Projektphasen. Fachbereiche und SAP-Berater analysieren die bestehenden Prozesse und übersetzen die Anforderungen in konkrete Systemeinstellungen.

Das Ziel besteht darin, möglichst viele Anforderungen mit Standardfunktionen abzudecken und individuelle Entwicklungen auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Dies senkt Projektkosten und erleichtert spätere Systemupdates.
 

Anpassungen ohne Programmierung realisieren

Der größte Vorteil des Customizings liegt darin, dass Anpassungen ohne Änderungen am SAP-Quellcode erfolgen. Unternehmen können dadurch Prozesse flexibel konfigurieren und gleichzeitig die Upgrade- und Wartungsfähigkeit ihrer Systeme erhalten.

Da SAP die Einstellungen in separaten Tabellen speichert, bleiben sie bei Systemupdates grundsätzlich erhalten und können problemlos transportiert werden.
 

Customizing und Entwicklung unterscheiden

Nicht jede Anforderung lässt sich ausschließlich über Customizing umsetzen. Wenn der SAP-Standard an funktionale Grenzen stößt, kommen individuelle Entwicklungen oder Erweiterungen zum Einsatz.

Während das Customizing bestehende Funktionen konfiguriert, erweitert die ABAP-Entwicklung den SAP-Standard um zusätzliche Logiken, Oberflächen oder Schnittstellen. In der Praxis ergänzen sich beide Ansätze häufig.
 

SAP PLM und SAP EHS konfigurieren

Auch in SAP Product Lifecycle Management (SAP PLM) und SAP Environment, Health and Safety (SAP EHS) spielt das Customizing eine zentrale Rolle. Unternehmen konfigurieren beispielsweise Dokumentarten, Statusnetze, Änderungsdienste, Spezifikationsdatenbanken, Gefahrstoffprozesse oder Freigabeverfahren.

Dadurch lassen sich produktbezogene und regulatorische Prozesse flexibel an branchenspezifische Anforderungen anpassen.
 

Transport und Systemlandschaften verwalten

Customizing-Einstellungen werden üblicherweise zunächst im Entwicklungssystem vorgenommen und anschließend über Transportaufträge in Test- und Produktivsysteme übertragen.

Dieser strukturierte Transportprozess sorgt für kontrollierte Änderungen und unterstützt eine sichere Systemverwaltung über verschiedene SAP-Systemlandschaften hinweg.
 

Vorteile von Customizing auf einen Blick

Customizing bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile:

  • Anpassung des SAP-Standards ohne Programmierung
  • Flexible Abbildung individueller Geschäftsprozesse
  • Reduzierung von Entwicklungsaufwand
  • Hohe Upgrade- und Wartungsfähigkeit
  • Strukturierte Konfiguration von Organisationsdaten
  • Unterstützung branchenspezifischer Anforderungen
  • Schnellere Umsetzung neuer Prozesse
  • Konsistente Systemeinstellungen
  • Effiziente Verwaltung von SAP-Systemlandschaften
  • Optimale Nutzung von SAP-Standardfunktionen

Customizing ist ein zentraler Bestandteil jeder SAP-Einführung und Systemoptimierung. Es ermöglicht Unternehmen, SAP-Lösungen flexibel an ihre individuellen Anforderungen anzupassen und gleichzeitig die Vorteile des SAP-Standards zu nutzen. Insbesondere in SAP S/4HANA, SAP PLM und SAP EHS bildet das Customizing die Grundlage für effiziente, skalierbare und zukunftssichere Geschäftsprozesse.